Weinwelten Portugal

Douro, Alentejo, Vinho Verde, Dao & Co - Vielfalt PUR!

Kaum ein Weinbauland kann auf so kleinem Raum mit so unterschiedlichen Weinstilen aufwarten wie Portugal. Die Unterschiede sind nicht nur wegen der Anzahl der Rebsorten gewaltig. Portugal besitzt den größten einheimischen Rebsortenschatz weltweit mit über 340 verschiedenen Varianten. Die meisten kennt jedoch keiner: Touriga Nacional, Touriga Franca, Encruzado, Alvarinho, Baga, Arinto, Alicante Bouschet...

Aufbruchstimmung zwischen Porto und Lissabon

Insbesondere das Douro besticht mit herausragenden Qualitäten. Weine, die es aber erst seit rund 20 Jahren gibt. Bis zur Aufnahme in die EU wurden im Douro nur Portweine für die internationale Bühne produziert. Jetzt zeigen die Stillweine, welches Qualitätspotential dank des einzigartigen Terroirs mit seinen Schiefer-Steilhängen. Ein Weinbauland, von dem man in den nächsten Jahren noch sehr viel hören wird.

Das aufstrebende Weinland Portugal fasziniert mit seiner unglaublichen Vielfalt an Weinstilen. Vom leichten Weißwein aus dem Vinho Verde über die charaktervollen Rotweine aus dem Douro bis hin zu den weichen, samtigen des Alentejo. Ein Weinland für Entdecker!
Portugal besitzt mit ca. 240.000 ha etwa zweieinhalb mal soviel Rebfläch wie Deutschland. Der absolute Ertrag ist jedoch fast gleich. Ein Hinweis auf die Kleinteiligkeit und das zerklüftete und unzugängliche Terroir mit niedrigen Erträgen wie im Douro mit seinen Schiefersteilhängen. 
Der größte Schatz Portugals liegt in seiner Vielzahl autochthoner (einheimischer) Rebsorten. Aus den über 340 Rebsorten nutzen die Winzer die Vorteile jeder einzelnen Rebsorte, um einzigartige Cuvées zu erzeugen, in der jede Rebsorte seine Vorteile ausspielen kann.  
Bei den weißen Rebsorten stechen vor allem Alvarinho (Vinho Verde) sowie die alterungsfähige Encruzado (Dao) hervor. Die Portwein-Rebsorten mit der duftigen Touriga Nacional, die strukturierte Touriga Franca sowie Tinta Roriz (Tempranillo) stehen bei den Roten vorne an. 
Das Klima der Weinregionen unterscheidet sich teils gravierend. Vom Atlantik beeinflussten kühlen und regnerischenn Vinho Verde im Nordwesten über die höheren Hinterlandregionen des Dao bis hin zum heißen steppenartigen Klima des Alentejos reicht die Bandbreite. 
Die Entwicklung des Weinanbaus ist geprägt durch den EU-Beitritt vor 30 Jahren. Investitionen und der Wegfall von hinderlichen Gesetzen erzeugte eine Aufbruchstimmung. Das Qualitätspotential wird gerade erst entdeckt und dennoch gehören einige Weine bereits zur Weltspitze. 

Das Vinho Verde ist wohl die außergewöhnlichste Weinregion in Portugal. Auf der ganzen Welt ist der frische, spritzige Weißwein aus dem nordwestlichen Minho als Sommerbegleiter bekannt. Oft mit etwas Kohlensäure versehen ist er der ideale Tropfen für die heißen Tage.
Direkt am Atlantik und an der spanischen Grenze gelegen ist das Wetter hier deutlich kühler und regnerischer als im übrigen Portugal. Die ganze Region strotz vor grüner Energie. Auf jedem noch so kleinen Flecken rankelt eine Rebpflanze, ob Häuserwand oder Laternenmast.
Die Reben werden traditionell im Pergolasystem erzogen. So besteht ein effektiver Pilzschutz und die Trauben werden besser belüftet. Parallel wird teilweise noch auf dem Boden Gemüse angebaut. Für eine bessere Effizienz wird aber immer mehr auf Drahtrahmen umgestellt.
Direkt an der Grenze zu Spanien gibt es zwei kleine Spezial-Regionen, in der die hochwertige Alvarinho zuhause ist: Moncao und Melgaco. Diese weiße Rebsorte ergibt kraftvolle Weine mit einer exotischen Fruchtaromatik. Bei Holzausbau ist sie auch gut alterungsfähig.

Historisch steht das Douro für Portwein. Erst mit Aufnahme in die EU werden inzwischen "normale" Stillweine auf allerhöchstem Niveau erzeugt. Für viele ist das Douro das schönste Weinbaugebiet der Welt und ist gleichzeitig Unesco Weltkulturerbe. 
Das Anbaugebiet beginnt erst ca. 100 km östlich von Porto und reicht bis zur spanischen Grenze. In Porto selbst lagerten die Portweinhäuser nur ihren Port in den umfangreichen Lodges in Novo de Gaia. Heute bauen vor allem kleine Produzenten diesen im Douro aus. 
Das Terroir ist einzigartig mit den Steilhängen aus purem Schiefer. Vertikal aufgeschoben, können die Wurzeln der Reben tief in den Boden dringen und Wasser und Mineralien aus tiefen Schichten anzapfen. Auf den steilen Terrassen ist fast ausschließlich Handarbeit gefragt. 
Die Terrassen wurden traditionell in mühseliger Arbeit durch Mauern in den steilen Hängen geschaffen, die sogenannten Socalcos. In heutiger Zeit werden die Terrassen (Patamares) durch Bulldozer zweireihig angelegt, so dass eine bessere Bearbeitung möglich ist. 
Das Herz des Douro liegt in PInhao. Das Anbaugebiet ist in drei Regionen unterteilt, im Westen das Baixo Corgo, um Pinhao das Cima Corgo und im Osten zur spanischen Grenze das Superior. Die qualitativ hochwertigsten Weine entstehen im mittleren Cima Corgo. 
Die Struktur ist bis heute sehr kleinteilig. Etwas 40.000 Winzer besitzen im Schnitt nur etwas mehr als 1ha. Viele davon liefern ihr Traubengut an die Portweinhäuser. Immer mehr Winzer bilden sich fort und beginnen eigenständig Weine zu erzeugen mit respektablen Ergebnissen. 
Unter der Führung von Dirk van der Niepoort wurden 2003 die Douro Boys gegründet, darunter auch die Quinta do Crasto. Sie sind das internationales Aushängeschild der Qualitätsrevolution im Douro. Für deren Kultweine werden inzwischen mehrere hundert Euro gezahlt.  
Auch für den Weintourismus wird die Region immer mehr entdeckt. Aufgrund des Status Unesco Weltkulturerbe braucht man kurzfristig auch nicht befürchten, dass am Douro Bettenhochburgen entstehen. Allerdings ziehen die überschaubaren Preise merklich an.
Ein Besuch der Stadt Porto darf natürlich nicht fehlen. Sowohl die Altstadt als auch die Portweinlodges auf der Südseite des Flusses in Vila Nova de Gaia sind Pflichtprogramm. Die Führung des Hauses Taylor's ist dabei sehr zu empfehlen. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen steht das Dao für elegante, finessenreiche Weine mit moderatem Alkoholgehalt. Die autochthone hochwertige weiße Encruzado zeigt hier ihre ganze Vielschichtigkeit genauso wie im roten Bereich Jean und Touriga Nacional. 
Das Dao liegt hinter einer Hügelkette in einem Hochtal, welches sich bis zur 2000m hohen Sierra de Estrella im Osten erstreckt. Dadurch herrscht hier ein gemäßigt warmes aber trockenes Klima mit kühlen Nächten, was den Weinen die besondere Frische gibt.
Der Boden besteht hauptsächlich aus skelettreichen Granit und Sand. Überall in der Region liegen große Granitfindlinge verstreut. Obelix hätte seine Freude an diesem Land. Weine aus alten Rebbeständen der einheimischen Rebsorten zeigen hier ihre besondere Mineralik.
Typisch wie in vielen Gegenden Portugals, sind die Weinfelder sehr kleinparzellig aufgeteilt und von Wäldern und Büschen umsäumt mit einer natürlichen Biodiversität. Leider hat die Anpflanzung von Eukalyptus-Monokulturen die Waldbrandgefahr der Region deutlich erhöht.

Die Weinregion Lisboa, erstreckt sich von Lisssabon bis an die Grenze des Bairrada und ist noch häufig unter ihrem früheren Namen Estremadura bekannt. Preiswerte Massenweine aus Kooperativen prägten früher das Bild, was sich glücklicherweise sukzessive ändert.
Der Atlantik mit seinen windigen Brisen und kühlen Nächten steht im Kontrast zur Hitze des Binnenlandes. So haben die Weine heute mit dem Klimawandel einen großen Vorteil und wirken nicht so wuchtig und marmeladig, sondern beinhalten oft eine gewisse Eleganz.
Die Region ist in 9 Unterregionen unterteilt, von denen vor allem die Region um Alenquer mit ihren Rotweinen hervorzuheben ist. Traditionell ist das Bucelas am Rande der Stadt Lissabon für hochwertige Weißweine vornehmlich aus der Rebsorte Arinto bekannt.
Die Böden sind sehr divers, grötenteils aber durch Sand geprägt. Interessant fallen einige Schaumweine aus der Region Obidos aus, hergestellt nach traditioneller Mehtode. Vielfalt ist das Aushängeschild der neuen Region Lisboa, die vom Klimawandel profitieren wird.

Das Alentejo ist mit einem Drittel der Gesamtfläche Portugals die größte Region. Bekannt ist das Gebiet neben dem Wein vor allem für seine Korkeichen. Rund 50% der Weltproduktion kommt aus Portugal, darunter ein großer Teil aus dem Alentejo.
Vornehmlich Rotweine kommen aus dem heißen Süden. Kraftvolle und fruchtbetonte weiche Tropfen aus den Rebsorten Alicante Bouschet, Aragonez (Tempranillo), Trincadeira oder auch Alfrocheiro entstehen hier. Rebsorten, die man fast nur in Porutgal kennt.
Im Gegensatz zu den anderen Weinregionen, ist das Alentejo durch große Kooperativen geprägt, die oft mehrer 100 ha Land umfassen, auf denen neben Wein auch Oliven, Eukalyptus, Walnüsse und Korkeiche angebaut werden. 
Je weiter östlich man zur spanischen Grenze vordringt, desto hügeliger wird die Region. Hier wechselt auch der Boden von Löss und Lehm auf Schiefer, Kalk und Granit. Die höheren Lagen und die besseren Böden, bieten das Potential für finessenreichere Weine mit Zukunftspotential.
Interessant ist zu beobachten, dass in dieser heißen trockenen Gegend viele Störche ihr Zuhause gefunde haben. Der Grund liegt darin, dass ein Großteil der Region über Stauseen das ganze Jahr über bewässert wird, so dass sogar Reisanbau hier möglich ist.

Die Algarve macht erst seit einigen Jahren mit Qualitätsweinen auf sich aufmerksam. Dank ausländischer Investoren werden jetzt in der Urlaubsregion Weine produziert, die immer besser werden. Vor allem die Weißweine profitieren von der Frische des Atlantiks. 
Ein Bergrücken, der von der spanischen Grenze bis zum Atlantik reicht, grenzt die sonnerverwöhnte Algarve vom nördlicheren Alentejo ab. 3000 Sonnenstunden prägen den Weinbau, der aber von der kühle des Atlantiks profitiert und Frische in die Weine bringt.
Nur 20-30 km breit ist der Streifen mit seinen 4 Weingebieten. Hier gedeihen auf diversen Bodenformationen neben den einheimischen Rebsorten auch Syrah, Cabernet Sauvignon sowie die weißen Chardonnay, Viognier und die im Vinho Verde heimische Alvarinho.